Verletztengeld der Berufsgenossenschaft: Anspruch, Dauer und typische Probleme

Anja Matthies

Ein Arbeitsunfall kommt oft plötzlich. Von einem Moment auf den anderen bist Du verletzt, kannst nicht mehr arbeiten und musst Dich mit Arztterminen, Schmerzen und Unsicherheit auseinandersetzen. Neben der gesundheitlichen Belastung stellt sich schnell eine existenzielle Frage: Wie geht es finanziell weiter, wenn ich länger arbeitsunfähig bin?

Verletztengeld der Berufsgenossenschaft
Hast Du Fragen zum Thema Verletztengeld der Berufsgenossenschaft? Kontaktiere uns gerne telefonisch unter 040 / 5730 8013 oder per E-Mail an ko*****@******aw.de

Nach den ersten Wochen der Entgeltfortzahlung übernimmt in der Regel die Berufsgenossenschaft (BG) die Zahlung des sogenannten Verletztengeldes. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass gerade beim Verletztengeld viele Probleme entstehen. Zahlungen verzögern sich, werden gekürzt oder plötzlich eingestellt.

Dieser Beitrag erklärt Dir verständlich, wann Du Anspruch auf Verletztengeld hast, wie lange es gezahlt wird und worauf Du achten solltest, wenn es Schwierigkeiten mit dem Unfallversicherungsträger gibt.

Das erwartet dich:

1. Was ist Verletztengeld der Berufsgenossenschaft?

Das Verletztengeld ist eine Geldleistung der gesetzlichen Unfallversicherung nach § 45 SGB VII. Es soll den Verdienstausfall ausgleichen, wenn Du nach einem Arbeitsunfall oder einer anerkannten Berufskrankheit arbeitsunfähig bist.

Wichtig ist die Abgrenzung: Das Verletztengeld ist kein Krankengeld. Während Krankengeld von der Krankenkasse gezahlt wird, stammt das Verletztengeld ausschließlich von der Berufsgenossenschaft als zuständigem Unfallversicherungsträger. Die rechtlichen Voraussetzungen und Berechnungsgrundlagen unterscheiden sich deutlich.

Ziel des Verletztengeldes ist es, Deine wirtschaftliche Existenz während der Heilbehandlung zu sichern, bis Du entweder wieder arbeitsfähig bist oder eine andere Leistung – etwa eine Verletztenrente oder Übergangsgeld – in Betracht kommt.

2. Wann habe ich Anspruch auf Verletztengeld nach Arbeitsunfall?

Ein Anspruch auf Verletztengeld besteht, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Dein Arbeitsunfall oder Wegeunfall bzw. Deine Berufskrankheit wurde von der BG anerkannt
  • Du bist infolge dessen arbeitsunfähig
  • die Lohnfortzahlung durch Deinen Arbeitgeber ist beendet

In der Regel zahlt der Arbeitgeber zunächst sechs Wochen Entgeltfortzahlung. Ab dem darauffolgenden Tag übernimmt die Berufsgenossenschaft die Zahlung des Verletztengeldes.

Entscheidend ist dabei, dass Deine Arbeitsunfähigkeit weiterhin unfallbedingt ist. Genau an diesem Punkt entstehen häufig Konflikte, weil die BG den Zusammenhang zwischen Beschwerden und Unfall infrage stellt – oft nach einer medizinischen Begutachtung durch einen D-Arzt oder Gutachter der Berufsgenossenschaft.

Wegeunfall

Alles zum Thema Wegeunfall und welche Leistungen die BG übernimmt liest Du in diesem Beitrag.

3. Wie hoch ist das Verletztengeld? Berechnung erklärt

Das Verletztengeld beträgt grundsätzlich:

  • 80 % des regelmäßigen Bruttoarbeitsentgelts,
  • jedoch höchstens das tatsächlich erzielte Nettoarbeitsentgelt.

Damit liegt das Verletztengeld häufig etwas höher als das Krankengeld. Allerdings werden auch beim Verletztengeld Sozialversicherungsbeiträge berücksichtigt, sodass der Auszahlungsbetrag individuell unterschiedlich ausfällt.

Viele Betroffene sind unsicher, ob die Berechnung korrekt erfolgt ist. Gerade bei Schichtarbeit, Überstunden oder wechselnden Einkommen kommt es immer wieder zu Unklarheiten oder Fehlern bei der Ermittlung des durchschnittlichen Bruttoarbeitsentgelts. Auch Zuschläge, Prämien oder Sonderzahlungen können die Berechnung kompliziert machen.

Wichtig zu wissen: Das Verletztengeld unterliegt der Beitragspflicht zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. Die Krankenversicherung ist während des Bezugs von Verletztengeld beitragsfrei.

Unsicher, ob die Berufsgenossenschaft korrekt entscheidet?

Wenn die Berufsgenossenschaft Dein Verletztengeld kürzt oder einstellt, unterstützt Dich ThatsLaw bei der Durchsetzung Deiner Ansprüche.

Kontaktiere uns jetzt!

4. Wie lange zahlt die Berufsgenossenschaft Verletztengeld?

Das Verletztengeld wird grundsätzlich so lange gezahlt, wie:

  • eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit besteht und
  • Heilbehandlungsmaßnahmen durchgeführt werden

In der Praxis endet das Verletztengeld häufig nicht abrupt, sondern an bestimmten Übergangspunkten. Typische Gründe für ein Ende sind:

  • die BG geht von einer Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit aus
  • eine stufenweise Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell soll beginnen
  • die BG hält weitere Behandlungen nicht mehr für erforderlich
  • langfristige Leistungen wie eine Verletztenrente oder Erwerbsminderungsrente werden geprüft
  • der Versicherte nimmt an beruflichen Rehabilitationsmaßnahmen teil und erhält dann Übergangsgeld

Problematisch ist, dass die Einschätzung der Berufsgenossenschaft nicht immer mit dem tatsächlichen Gesundheitszustand übereinstimmt. Betroffene fühlen sich oft noch nicht belastbar, während die BG bereits von Arbeitsfähigkeit ausgeht – etwa nach einem Gutachten der Berufsgenossenschaft, das die anhaltenden Beschwerden nicht ausreichend würdigt.

rechtsanwalt für arbeitsunfall bg, anwalt für bg unfälle

Mehr zum Thema "Arbeitsunfall bei der BG" liest Du in diesem Beitrag.

5. Typische Probleme beim Verletztengeld

Beim Verletztengeld kommt es besonders häufig zu Konflikten. In der Praxis berichten viele Betroffene von ähnlichen Problemen:

  • Zahlungen verzögern sich oder bleiben vorübergehend aus
  • das Verletztengeld wird plötzlich gekürzt oder eingestellt
  • ärztliche Einschätzungen durch den behandelnden Durchgangsarzt werden von der BG infrage gestellt
  • Betroffene werden als arbeitsfähig eingestuft, obwohl erhebliche Beschwerden bestehen
  • Druck zur schnellen Rückkehr an den Arbeitsplatz entsteht
  • die BG verweigert die Zahlung oder lehnt weitere Leistungen ab
  • unvollständige oder fehlerhafte Berechnung des Verletztengeldes

Was diese Situationen besonders belastend macht: Das Verletztengeld ist für viele die einzige Einkommensquelle während der Heilbehandlung. Schon kurze Unterbrechungen können finanzielle Schwierigkeiten verursachen. Aus Angst vor Nachteilen akzeptieren Betroffene Entscheidungen der BG oft, ohne sie im Widerspruchsverfahren prüfen zu lassen.

Häufig beruhen Kürzungen oder Einstellungen auf unvollständigen medizinischen Unterlagen oder einer einseitigen Bewertung der Arbeitsfähigkeit. Die BG stützt sich dabei oft auf Gutachten, die den individuellen Gesundheitszustand nicht ausreichend berücksichtigen oder die Anforderungen am konkreten Arbeitsplatz außer Acht lassen.

6. Was tun, wenn die BG das Verletztengeld kürzt oder beendet?

Wenn die Berufsgenossenschaft Dein Verletztengeld kürzt oder einstellt, solltest Du nicht untätig bleiben. Wichtig ist ein strukturiertes Vorgehen:

  • Bescheide sorgfältig prüfen – jede Leistungsablehnung muss begründet sein
  • medizinische Unterlagen sichern – Befunde, Arztberichte, Gutachten vom Durchgangsarzt
  • Fristen unbedingt einhalten – meist ein Monat für den Widerspruch
  • rechtzeitig Widerspruch einlegen – notfalls mit anwaltlicher Unterstützung
  • Sozialgerichtsverfahren vorbereiten, falls der Widerspruch erfolglos bleibt
  • eigene medizinische Stellungnahmen einholen, wenn das BG-Gutachten fehlerhaft erscheint

Häufig hängt die Entscheidung davon ab, wie der medizinische Sachverhalt dargestellt wird. Fehlerhafte Einschätzungen oder unvollständige Unterlagen können erhebliche finanzielle Folgen haben. Gerade bei komplexen Verletzungsfolgen oder bei Beschwerden, die sich nicht eindeutig objektivieren lassen, ist eine fundierte medizinische Dokumentation entscheidend.

Wichtig: Auch während des laufenden Widerspruchsverfahrens solltest Du alle ärztlichen Behandlungen dokumentieren und Deine Arbeitsunfähigkeit regelmäßig durch den Durchgangsarzt oder behandelnden Arzt bestätigen lassen.

7. Wie ein Anwalt für Berufsgenossenschaft helfen kann

Ein spezialisierter Anwalt unterstützt Dich dabei:

  • Bescheide zum Verletztengeld rechtlich zu prüfen
  • fehlerhafte medizinische Bewertungen und Gutachten anzugreifen
  • Deine Arbeitsunfähigkeit sachlich gegenüber der BG darzustellen
  • Deine Ansprüche im Widerspruchsverfahren oder vor dem Sozialgericht konsequent durchzusetzen
  • den Übergang zu anderen Leistungen (Verletztenrente, Übergangsgeld) zu begleiten
  • die korrekte Berechnung des Verletztengeldes zu überprüfen
  • bei Bedarf eigene medizinische Sachverständige einzuschalten

Gerade beim Verletztengeld entscheidet juristische Erfahrung oft darüber, ob Leistungen weitergezahlt werden oder nicht. Ein spezialisierter Anwalt kennt die typischen Argumentationsmuster der Berufsgenossenschaften und weiß, an welchen Stellen erfolgreiche Angriffspunkte liegen.

8. Fazit: Verletztengeld richtig sichern

  • Verletztengeld sichert Dein Einkommen nach einem Arbeitsunfall oder Wegeunfall
  • Anspruch besteht nach Ende der sechswöchigen Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber
  • Höhe und Dauer hängen von mehreren Faktoren ab
  • Kürzungen oder Einstellungen durch die BG kommen häufig vor
  • Frühzeitige rechtliche Prüfung schützt vor finanziellen Nachteilen
  • Widerspruch gegen fehlerhafte Bescheide ist oft erfolgreich
  • Dokumentation aller medizinischen Unterlagen ist entscheidend

9. FAQ

Wann beginnt das Verletztengeld der Berufsgenossenschaft?

 Nach dem Ende der sechswöchigen Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber.

Wie lange kann Verletztengeld gezahlt werden?

So lange eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit besteht und Heilbehandlung erfolgt. Eine pauschale Höchstdauer gibt es nicht.

Ist Verletztengeld höher als Krankengeld?

In vielen Fällen ja, da es 80 % des Bruttoarbeitsentgelts beträgt, höchstens jedoch das Nettoarbeitsentgelt.

Kann die BG das Verletztengeld einfach einstellen?

Nein. Die Entscheidung muss medizinisch und rechtlich nachvollziehbar sein und kann im Widerspruchsverfahren überprüft werden.

Was passiert nach dem Ende des Verletztengeldes?

Je nach Situation kommen andere Leistungen wie Krankengeld, Übergangsgeld oder eine Verletztenrente in Betracht.

Kann ich während des Verletztengeldes gekündigt werden?

Eine Kündigung ist nicht automatisch ausgeschlossen, unterliegt aber strengen Voraussetzungen – insbesondere bei längerer Arbeitsunfähigkeit.

Bildquellennachweis: AndreyPopov | Canva.com

Über den Autor
Anja Matthies ist seit mehr als 15 Jahren als Rechtsanwältin auf dem Gebiet des Personenschadensrechts tätig. Dabei begleitet und vertretet sie Unfallopfer bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. Daneben steht sie auch Arbeitnehmern zur Seite, die auf dem Weg zur Arbeit, auf dem Heimweg oder im anderen Zusammenhang mit ihrer Berufsausübung einen Unfall erlitten haben, der dazu geführt hat, dass sie ihren Beruf nicht mehr wie zuvor oder gar nicht mehr ausüben können.
Mehr lesen
Verletztengeld
Verletztengeld der Berufsgenossenschaft: Anspruch, Dauer und typische Probleme
Ein Arbeitsunfall kommt oft plötzlich. Von einem Moment auf den anderen bist Du verletzt, kannst nicht mehr arbeiten und musst Dich mit Arztterminen, Schmerzen und Unsicherheit auseinandersetzen. Neben der gesundheitlichen Belastung stellt sich schnell eine existenzielle Frage: Wie geht es finanziell weiter, wenn ich länger arbeitsunfähig bin?
mehr lesen
Wegeunfall
Wegeunfall: Was tun und welche Leistungen übernimmt die BG?
Ein Wegeunfall passiert auf dem direkten Weg zur Arbeit und ist über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Erfahre, welche Maßnahmen nach dem Unfall wichtig sind, welche Leistungen die BG übernimmt und wie Du Dich richtig absicherst.
mehr lesen
Arbeitsunfall minijob
Arbeitsunfall trotz Teilzeit oder Minijob – Anspruch auf BG-Leistungen
Arbeitsunfall im Minijob oder Teilzeitjob? Auch du hast Anspruch auf Leistungen der BG – von Arztkosten bis Reha. Hier erfährst du, was dir zusteht und wie du deine Rechte sicherst.
mehr lesen
arbeitsunfall homeoffice
Arbeitsunfall im Homeoffice: Wann gilt ein Wegeunfall als versichert und welche Rechte hast Du gegenüber der BG?
Unfälle im Homeoffice passieren schneller, als man denkt – wir zeigen dir, wann dein Sturz vom Schlafzimmer zum Schreibtisch als Arbeitsunfall gilt und welche Rechte du gegenüber der BG hast.
mehr lesen

Kontaktiere uns!

Kontaktiere uns jetzt für eine kostenlose Erstberatung und erfahre, wie wir Dich unterstützen können.
Jetzt unverbindlich beraten lassen!
phonecross